Buttler_rechts
Das Internet ist der perfekte Dienstleister – aber es braucht Helfer, die diese Leistung in eine für Menschen erträgliche Geschwindigkeit und Portionierung wandeln. So, wie die meisten von uns keine professionelle, industrielle Kaffeemaschine zuhause haben sondern Pad- und Kapselmaschinen. Kaffee aus professionellen Industriemaschinen ist natürlich besser und günstiger pro Einzeltasse. Aber trotzdem kaufen die Menschen Pads und Kapseln. Warum? Weil sie einfacher, schneller und bequemer sind. Und dafür zahlen viele sogar mehr. Es liegt an den Inhalteanbietern, das zu erkennen.

Der Internetdreisatz für Inhalteanbieter lautet: Erstens den User in den Mittelpunkt stellen, zweitens Zusatznutzen schaffen und drittens Bezahlinhalte schnell und einfach zugänglich machen. Natürlich ist dabei die Privatsphäre des Users zu achten, aber dieser Punkt ist im ersten Punkt enthalten.

Inhalteanbieter müssen die Dienstleistungsmentalität beherzigen, wenn sie Geld verdienen wollen. Die Frage, die man sich stellen sollte, lautet: Wie bediene ich den User mit meinem Inhalt so, dass er sie als Dienstleistung empfindet, einen klaren Nutzen erkennt und bereit ist dafür Geld zu bezahlen?

Der Erfolg der Spieleanbieter im Internet erklärt sich am Beispiel Mobile Games und der vielen Spiele, die für Anfänger oder Gelegenheitsspieler gedacht sind. Das Prinzip eines erfolgreichen Spiels lässt sich in einen Satz packen: seconds to learn, years to master. Ich brauche wenige Sekunden, um in das Spiel einzusteigen, zu spielen und das Spiel zu verstehen – aber ich brauche Jahre, um richtig gut zu werden. Der Spieltrieb nährt das Bestreben immer besser zu werden – weil mich das Spiel herausfordert.

Auch redaktionelle Inhalte fordern heraus. Als Nicht-Verlagsmensch blicke ich als Konsument und nicht als Profi auf die Inhalte. Ich kaufe ein Brandeins-Heft, weil ich überrascht, herausgefordert werden will. Ob polarisierend, erklärend oder zum Nachdenken anregend – eine Herausforderung ist immer da. Und dafür bezahle ich, unabhängig vom Medium oder der Darreichungsform. Egal ob am Kiosk oder im Internet (wenn es denn ginge).
News sind etwas schwieriger, da News im Internet als Commodity verstanden werden – eine Art Dienst an die Gesellschaft. Wenn News in Mehrwert verpackt werden, entsteht ein Produkt. Wenn jemand um Nachrichten herum weiterführende Informationen anbietet, entsteht ein Produkt mit Mehrwert.
Die Themen wiederholen sich und die Archive sind voll. Dort gilt es, Zusammenhänge zu finden, Erklärungen zu liefern und Komplexität zu reduzieren. Premiuminhalte wie Dossiers, Videos, Studienauszüge, Expertenmeinungen – all das macht den User schlauer und geht über die reine Nachricht hinaus.
Nachricht plus gesprochene Variante sind ein Mehrwert.
Nachricht plus Zusammenfassung in 2 Sätzen sind ein Mehrwert.
Nachricht plus Erklärvideo aus dem Archiv sind ein Mehrwert.
Inhalteanbieter haben die Macht, Komplexität zu reduzieren, Mehrwerte zu liefern und somit haben sie auch ein Produkt, wofür ich bezahlen würde.

Blogger und Self-Publisher, die als Early Adopters selbstbestimmt publizieren, zeigen Möglichkeiten auf: Sie probieren aus, verbessern und entwickeln ihr Angebot weiter. Auch manche Verlage sollten dem Internet als Dienstleister begegnen – und ausprobieren, verbessern und ihr digitales Angebot weiterentwickeln.

Ideen, Modelle und Ansätze gibt es viele. Was fehlt, ist der Wechsel des Blickwinkels. Das Internet als Dienstleister zu betrachten heißt, die Chance, die es bietet, zu ergreifen und die Gestalterrolle zu übernehmen.

Die Erkenntnis, die dem am Anfang steht: Im Internet ist selbst ein Großverlag ein Startup.

Über den Autor

2 Responses

Hinterlasse eine Antwort