Das klassische Abonnement ist ein analoges Geschäftsmodell, bei dem Innovation im Namen der Planbarkeit geopfert wird.
Schauen wir uns an, wie es entstanden ist. In der analogen Welt bedeutete ein Abonnement den größten erzielbaren Nutzen; sowohl für den Leser als auch für den Verleger. Der Leser bekam das Gewünschte bequem zu sich nach Hause geliefert, und er erhielt dafür auch noch einen Nachlass auf den Preis, den er für jede einzelne Ausgabe am Kiosk bezahlt hätte. Der Verleger profitierte von den stetigen und verlässlichen Einnahmen. Ein Zeitungsabo war früher eine Notwendigkeit, denn nur so hatte man regelmäßigen Zugang zu Nachrichten und Informationen. Abonnements boten den Verlegern Planbarkeit als Voraussetzung für stabile Unternehmen.

Aber:
Für den Kunden gab es einfach nicht die Möglichkeit, Seite 3 und 5 einer Zeitung zu kaufen und den Rest am Kiosk zu lassen.” – Richard Gutjahr, Journalism Entrepreneur

Im Internet kann sich jeder seine Rosinen herauspicken – und das Internet verwandelt jede Verlags-Website konsequent in einen Kiosk mit einzelnen Inhalten. Die Digitalisierung hat eine zwangsweise Entbündelung traditioneller Erlösmodelle mit sich gebracht.
Auf einmal verstehen Nutzer nicht mehr, warum sie gezwungen sein sollten ein Abo zu kaufen, obwohl sie – in den meisten Fällen- nur einzelne Artikel lesen wollten. Die meisten Bezahlschranken zielen darauf ab, jeden mehr oder weniger zufälligen Besucher einer Seite in ein Abo zu treiben; das ist ungefähr so seltsam wie ein Heiratsantrag bei einem Tinder Date, bevor man sich überhaupt kennengelernt hat. So ein Heiratsantrag würde aggressiv und übergriffig wirken.

Über das Abonnement hinaus denken und das eigene Denken entbündeln.
Unsere erste Herausforderung war die folgende Frage: Wenn Inhalte-Anbieter ihren Nutzern gute Leistungen bieten, werden diese dann für Inhalte bezahlen? Ja. Wir haben das beweisen können – im Auftrag von Verlegern, die den Mut hatten, über das Abo hinaus zu denken. Unser Ansatz beruht auf dem Prinzip, dass die Nutzer ihre Inhalte so angeboten bekommen, wie *sie* es wollen. Nachdem wir das Pay-per-Use-Prinzip in den Medienmarkt eingeführt hatten und seine Wirkung beobachten konnten, fingen wir an uns zu fragen, ob Einzelartikelnutzung und Abonnement wirklich wie zwei gegensätzliche Pole zu betrachten sind, oder ob sich da nicht eher die Beziehung zwischen Anbieter und Nutzer einfach weiterentwickelt?
Bis zu 97% der Online-Zeitungsleser stoßen überhaupt nie auf die Bezahlschranke – sie lassen sich mit dem Inhalte-Anbieter nur auf ein unverbindliches Date ein, ganz nebenbei und ohne zu abonnieren. (Denken Sie eher an Tinder als an Parship!)
Uns wurde klar, dass Paid Content keine binäre Entscheidung ist, sondern eher ein Trichter, bzw. ein Spektrum über das Nutzer mit unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten abgeholt werden müssen. Wir fingen an Funktionen und Produkte zu entwickeln, die es den Medienunternehmern erlaubten, ihren Nutzern unterschiedliche Bezahlmodelle anzubieten. Indem wir die natürlichen Gezeiten des Nutzungsverhaltens abbildeten, konnten wir zwischen unterschiedlichen Nachfrage-Modellen hin und her pendeln – vom Bedarf für viel Lesestoff (Flatrate/ Abo auf Zeit) oder für weniger (Einzelartikelnutzung/ Pay per Use).

Ein weiteres Produkt, das sich aus unserer Sichtweise von nahtlosen Übergängen zwischen dem Erwerb einzelner Artikel über Pay per Use oder einem Abo auf Zeit ergab, waren die LaterPay Microsubscriptions, bzw. Mikro-Abos.

Abonnieren Sie eine Webseite für 50 Cent im Monat und bezahlen Sie später“.
Der Unterschied zwischen Mikro-Abos und traditionellen analogen oder digitalen Abos ist folgender:

1. Mikro-Abos erlauben es dem Anbieter, Themenpakete anzubieten, so wie man einzelne Ressorts anbieten könnte.

Nehmen wir an, Sie sind nur am Sportteil interessiert. Ein Mikro-Abo gibt Ihnen unbegrenzten Zugang zu Ihren Lieblingsinhalten – das heißt, wiederholten, reibungslosen Zugang zu Sportberichterstattung, ohne dass Sie für irgendetwas bezahlen, das Sie nicht lesen. Andererseits erhält der Anbieter eine planbare Einnahmequelle.

2. Mikro-Abos nutzen sowohl kleinen als auch großen Inhalte-Anbietern. Sie funktionieren bei traditionellen Verlagen, bei Blogs und bei allen anderen Medienanbietern.

Ihr Lieblings-Modeblog enthält nützliche Einkaufstipps mit denen Sie Geld sparen können, und die Ihnen bei der Auswahl helfen. Würden Sie dieser Bloggerin nicht gern für ihre unvoreingenommenen und markenunabhängigen Inhalte 50 Cent im Monat bezahlen?

3. Mikro-Abos bringen Mehrwert, denn sie bieten ihren Nutzern eine größere Vielfalt an Qualitätsjournalismus für weniger Geld. Für den Preis eines traditionellen Zeitungsabos erhält man Zugang zu vielen verschiedenen Quellen der Wahl. Das ist zwar nicht immer im Interesse des Inhalte-Anbieters, wohl aber im Interesse des Nutzers.

LaterPay wird also in Kürze Mikro-Abos anbieten. Unsere existierende Payment-Infrastruktur ermöglicht eine wirtschaftliche und einfache Verwaltung von Mikro-Abos. Mit der LaterPay-Technologie wollen wir Content-Anbietern und ihren Nutzern ein Werkzeug an die Hand geben, mit dem sie ihre Paid Content Verkaufsmodelle selbst gestalten können – vom Verkauf einzelner Inhalte bis hin zum Mikro-Abo.
Seit unserer Gründung bieten wir unser nutzerorientiertes Mantra: ‚jetzt nutzen und später bezahlen.’ Mit den Mikro-Abos kommt eine neue Ebene hinzu: ‚jetzt abonnieren und später bezahlen’. Derzeit laufen sie als interne Beta-Version bei einigen ausgewählten Kunden und werden im Lauf dieses Quartals für alle Medienanbieter erhältlich sein.

Ob man nun als Nutzer nur gelegentlich etwas liest (das Tinder-Modell), oder ob man eher ein langfristiger Abonnent im Sinne einer dauerhaften Beziehung sein möchte – wir können die richtige Option für jede Art von Leselust bereitstellen.

Dieser Artikel wurde in englischer Sprache auf Medium veröffentlicht. Read it here

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