Medienunternehmen müssen ihren Innovatoren einen geschützten Raum frei halten, wo sie sich mit Neuerungen beschäftigen können, ohne von anderen Abteilungen ausgebremst zu werden. Innovative Zellen brauchen Freiräume; sie müssen denken, erschaffen, testen und nachbessern, bevor sie ihre Ideen skalieren und als zusätzliche Säulen des bisherigen Geschäftsmodells etablieren können. (Wie beispielsweise Startups die Kraft des strukturierten Lernens bei Innovationen nutzen, steht hier in einer kurzen Zusammenfassung von Netzwirtschaft.de und hier in der ausführlicheren Zusammenfassung der Lean Startup Methodologie von Eric Ries.)

Carte Blanche oder alles bleibt wie es ist
Unternehmer und die innovativen Zellen, die sie betreiben, brauchen also Zeit zum Denken, Raum zum Agieren und (limitierte aber frei einsetzbare) Geldmittel zum Ausgeben. Sie brauchen eine Carte Blanche. Wenn ein Medienunternehmen nicht bereit ist, dies zu bieten, wird es nicht die talentierten Innovatoren und Macher anziehen, sondern Mitarbeitertypen, die der Meinung sind, Innovation sei das, was der Karriere nicht wehtut.

Innovatoren – aber welche?
Etablierte Medienunternehmen, die mit Innovationskraft ihr Geschäftsmodell erweitern oder nachhaltige Geschäftsmodelle in der digitalen Welt finden wollen, müssen sich die richtigen Leute holen.

Berater, die aus hochrangigen Positionen aus ähnlichen Unternehmen kommen, werden keine Innovationen bringen. Sie werden nur reproduzieren oder marginal verändern, was einmal Konsens war, und den bekannten, genehmen Unternehmenssprech fortsetzen. Die Unternehmensleitung wird ihnen glauben, weil sie ja “von außen” kommen. Sie wird hoffen, die Berater werden endlich diese schwarze Wolke namens Internet wegpusten, die alles verändert hat. Diese Wolke wird jedoch nicht verschwinden, sie erfordert vielmehr ein neues Denken – ein nutzer- und weniger marken-zentriertes Denken.

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Erfolgreiche Startups als Vorbild
Ein Verlag sollte sich nicht die New York Times zum Vorbild nehmen. Wenigstens nicht solange er nicht in englischer Sprache publiziert, 114 mal den Pulitzer-Preis gewonnen hat und weltweit als Leuchtturm des Qualitätsjournalismus anerkannt ist. Deutsche Publikationen, die allein durch ihre Sprache einen per se eingeschränkten Leserkreis haben, müssen anders vorgehen. Jedes beliebige Unternehmen und jedes Startup, das ein erfolgreiches Geschäftsmodell für das Internet entwickelt hat, kann Vorbild sein. Unternehmen brauchen Unternehmer, Gründer, Entrepreneure.

Diese Unternehmer-im-Unternehmen lösen Probleme auf ihre Art: Sie stellen alles in Frage, kommen mit neuen Ansätzen, überprüfen jede Annahme und werden so den richtigen Weg finden.

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Ein Unternehmen, das solche Räume für Innovationen schafft, wird viel lernen. Es wird ungeahnten Nutzen aus dieser Frischzellentherapie ziehen. Jedes Unternehmen, das einen erfolgreichen Übergang in die digitale Welt anstrebt, muss so einen Vorstoß wagen – er schafft den Raum, in dem Innovationen unkonventionell vorangebracht werden.

Und er erhöht die Chance darauf, daß der Übergang in die digitale Welt nachhaltig und dem Internetparadigma angepaßt ist.

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