Versuchen Sie es. Wenn Sie das nächste Mal etwas stört, fragen Sie sich, wie man das ändern kann. Machen Sie sich das In-Frage-Stellen zur Gewohnheit. Wo immer Sie eine sub-optimale Situation oder sub-optimale Dinge sehen, stellen Sie sie in Frage.

 
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2. Gründer suchen Freiheit, nicht Sicherheit
Die meisten Leute haben die angeborene Tendenz, ihr Geld zum Großteil auszugeben, besonders wenn sie unerwartet über eine größere Summe verfügen können, z.B. durch einen Bonus oder eine Erbschaft oder durch eine (seltene) Steuerrückzahlung. Meistens wird das Geld dann für Mode, technisches Spielzeug, Luxusobjekte, oder sofern ausreichend, für Autos oder Immobilien ausgegeben. Das Geld wird für materielle Anhängigkeiten getauscht – die Komfortzone wird befestigt.
Wenn man diesem Bedürfnis nicht nachgibt (oder wenigstens nicht sofort) gewinnt man sich Freiheit. Und Freiheit hält den Kopf frei, man bleibt auf dem Posten, man bleibt wach. Und diesen Geisteszustand braucht man, wenn man sehen will, was andere nicht sehen. Sonst hat man keine andere Wahl als die Investitionen abzusichern.
Für Gründer ist Freiheit wertvoller als materieller Besitz, und deshalb können sie Gelegenheiten ergreifen, wenn sie welche sehen.
Als ich bei DELUXE MUSIC aufgehört und einen Teil meiner Aktien an Investoren verkauft hatte, sagte meine Freundin zu mir: “Wenn man Geld übrig hat, dann bauen die meisten Leute ein Haus, kaufen eine Wohnung, bauen ein Nest … aber ich vermute mal, Du willst lieber was Neues anfangen und das finanzieren, hab ich Recht?” Sie hatte Recht. Ich gründete LaterPay damit. Das hat uns nicht davon abgehalten, unser Nest in einer Mietwohnung einzurichten.

 
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3. Gründer haben einen eingebauten Geräuschfilter gegen Zweifler und Neinsager
Fast jede neue Idee trifft zunächst auf Widerstand, wenn man sie in der Familie, im Freundeskreis oder unter Kollegen bespricht. Mit diesem Risiko der Ablehnung oder gar des Belächelt-Werdens muss man rechnen, einfach deshalb, weil es recht wahrscheinlich ist, dass die Menschen in der eigenen Umgebung die Idee nicht sofort verstehen werden. Ein neues Produkt oder eine neue Dienstleistung muss aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt werden, bis das Konzept klar wird. Bezeichnungen, Schlagworte, Nutzenbeschreibungen müssen zuerst einmal formuliert werden.

Wenn sie über ihre Ideen reden, können wahre Gründer Widerstände und frühe Zweifel selektiv ausblenden; sie filtern weg was sie behindert und sie verarbeiten nur die hereinkommenden Informationen, die sie weiterbringen, nichts was sie entmutigen könnte. Sie folgen ihrem inneren Kompass und gehen weiter auf dem schmalen Grat, der von der Idee zum Produkt führt.

Wenn man in Europa lebt und nicht in den USA, und wenn man eine Idee hat, die einen Wellenschlag erzeugen könnte oder die das Potenzial hat, einen nachhaltigen Wandel zu bewirken, dann sollte man sogar darauf achten, nicht zu früh darüber zu reden.

 
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Der wichtigste erste Schritt ist Selbstvertrauen für diese Idee aufzubauen. Wenn man einmal damit anfängt, darüber zu reden, wird man von allen Seiten in Frage gestellt, aber wenn man sich gut vorbereitet hat, wird es für die Zweifler schwierig werden. Wenn man im Kopf noch nicht soweit ist, können die lieben Mitmenschen eine Idee schon in der allerersten Phase zunichte machen.

Die Gründerkultur in den USA ist da ganz anders – hier wird man ermutigt, Ideen zu entwickeln und Kreativität wird gefördert, während man in Europa von Anfang an gezwungen wird, für eine Idee zu kämpfen.

Hatten Sie schon mal eine Idee, sind aber nie über die Ideenphase hinausgekommen? Hatten Sie schon mal eine Idee mit der sie nie über die Gespräche mit Ihren Freunden hinausgekommen sind? Wenn ja, dann überlegen Sie mal, wie viele der oben erwähnten Eigenschaften ins Spiel gekommen sind.

Leben nach Prinzipien – Ideen mit disruptivem Potenzial entwickeln
Den Status Quo in Frage zu stellen und nach Freiheit statt nach Sicherheit zu streben sind nur zwei von mehreren Prinzipien, die wahre Gründer sich zu eigen machen. Zusammen mit der Fähigkeit, Negativ-Geräusche über die neue Idee wegzufiltern helfen ihnen diese Eigenschaften, den Kopf frei zu behalten, denn einen freien Kopf braucht man, um etwas Neues zu schaffen, um einen Wandel auf den Weg zu bringen, der schließlich zur Disruption führt.

Gründer machen keine Zugeständnisse an die Trägheit. Ein Gründer ist vollkommen von seinen Ideen und Visionen überzeugt. Das kombiniert er mit seinen Prinzipien und seinem Wissen und entgeht so der Trägheit eines ganz normalen Lebens, in dem man die Dinge so annimmt wie sie nun mal sind. Dabei hat er ein starkes, motiviertes Team an seiner Seite, das sich für Ziele und Ergebnisse interessiert, und nicht für Politik oder Hierarchien.

Aber auch wenn man es noch so sehr drauf anlegt, disruptiv zu sein, wird nur die Zukunft zeigen, ob man einen Wandel herbeigeführt hat, der die Lage ein bisschen verbessert hat, oder ob es wirklich gelungen ist, einen Markt durcheinander zu bringen.
Das bringt mich zu meiner persönlichen Schlussfolgerung, dass Disruption eine Geisteshaltung ist. Man muss wach sein, Widerspruchsgeist haben und frei sein, wenn man die Musik schon hören will, lange bevor andere sie hören.

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