Verglichen mit Apple Pay, wo man einfach die Zahlung mit dem Daumen auf dem Mobiltelefon autorisiert, während man es an ein Terminal an der Kasse hält, wirkt CurrentC wie die pferdelose Kutsche von Carl Benz neben einem Silberpfeil.

Die Prüfung einer gängigen Kreditkartentransaktion dauert 2 Sekunden. Beim CurrentC-Bezahlvorgang dauert es allein 1,5 Sekunden, bis man im ersten Schritt die PIN eingegeben hat. Der Eindruck drängt sich auf, dass die 5 Schritte, die man da abarbeiten muss, ein Problem erst generieren, wo eine Lösung schon längst da ist. In einer Welt, die mit nichts anderem beschäftigt ist, als Alles bis zum Äußersten zu vereinfachen, klingt das wie ein Gruß aus den 80er-Jahren. Da haben die Leute auch die irrsten Sachen gemacht, bloß weils cool war.

Viele Nutzer sind an Neuem interessiert, aber ich vermute, dass sie CurrentC ziemlich schnell wieder fallenlassen werden, wenn sie es einmal ausprobiert haben. Ein Blick auf das obige Infographic macht deutlich, wie durch CurrentC künstlich Komplexität erzeugt wird.

Und noch etwas – will man an der Tankstelle bezahlen, erscheint ein Code auf dem Telefon, den man an der Zapfsäule eingeben muss. Damit wird noch einmal die Komplexität erhöht, wenn dem Nutzer zugemutet wird, seine Bezahlgewohnheiten an der Tankstelle zu ändern.

2. Der Registrierungsvorgang aus Sicht des Kunden

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Wenn man CurrentC auf einem Gerät einrichten will, muss man erst die App herunterladen und ein Bankkonto angeben (automatische Verbindung zum Bankkonto, in Europa wohl über Swift) oder auf existierende Händler-Kundenkarten/Accounts verlinken (z.B. auf die amerikanischen Produkte Target REDcard®, Debit+Credit Card, Target GiftCard®)
Die Nutzungsbedingungen von CurrentC schreiben vor, dass man für diese Zahlungsmethode unter anderem folgende persönliche Daten anzugeben hat “die E-Mail-Adresse, das Geburtsdatum und die Social- Security-Nummer”. Letzteres käme in Deutschland der Personalausweis-Nummer gleich.

3. Teil 1: Was läuft da im Hintergrund ab wenn der Kunde sich registriert?

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Wie andere Anwendungen auch nutzt CurrentC Token anstelle der tatsächlichen Kundendaten.

1. App öffnen // 2. 4-stellige PIN eingeben // 3. Account hinzufügen // 4. Bankkonto auswählen //
5. Persönliche Daten und Bankkonto-Informationen eingeben.
Die Informationen zum Bankkonto, zum Führerschein und die Social-Security-Nummer
werden nicht im Telefon gespeichert, sondern werden nur eingesetzt, um die Identität des Nutzers zu bestätigen.

In den Nutzungsbedingungen steht, die wirklich sensiblen Daten wie Führerschein- und Social-Security-Nummer würden nur eingesetzt, um die Identität des Kunden in Echtzeit überprüfen und ein Token generieren zu können. Wie das genau ablaufen soll, konnte ich nicht herausfinden, ich muss daher annehmen, dass das Token mit der App verlinkt und wird um den Kunden zu identifizieren, sobald ein Einkauf getätigt wird.

4. Was läuft da im Hintergrund ab – Teil 2 – wenn der Kunde etwas bezahlt?

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Das Kassengerät schickt ein Token. Das Token wird von den Geldinstituten umgewandelt, um eine automatisierte Zahlung zu generieren und das Konto des Nutzers zu belasten.

Nutzen
CurrentC nutzt weder NFC noch BluetoothLE, sodern eine eigene App mit QR-Codes. Dadurch kann es eine größere Anzahl von Kunden erreichen, denn damit funktioniert es auch auf älteren Smartphones und auf unterschiedlichen Betriebssystemen.

Rabatte und Coupons können automatisch in den Einkauf einbezogen werden und Belege können in der App gelesen werden. Vielnutzer von Kundenkarten und anderen Kundenbindungsinstrumenten könnten dies als Vorteil sehen, der die stark erhöhte Komplexität aufwiegt.

Ein weiterer Vorteil ist, dass CurrentC immer die genaue Standortinformation des Nutzers überprüft, um sicherzustellen dass dieser sich auch im richtigen Geschäft befindet.

Technik ist also vielleicht nicht das Problem, aber die Nutzererfahrung und die – um Klassen besseren Alternativen – werden wohl eins darstellen.

Die meisten Kunden werden nicht von CurrentC begeistert sein, weil damit der Bezahlvorgang im Vergleich zum Bargeld oder zu herkömmlichen Karten unnötig umständlich, langwierig und komplex wird. Der Nutzen wird durch die zusätzliche Komplexität zunichte gemacht, und dafür wird im Zeitalter der vereinfachten Kundenerfahrung viel Überzeugungsarbeit zu leisten sein.

Datenschützer werden CurrentC ablehnen, weil Kundendaten (inklusive Gesundheitsdaten) von mindestens drei Parteien (den Geräteherstellern, dem App Store und dem App Entwickler), abgegriffen werden können.

MCX ist natürlich begeistert, weil sie es erfunden haben. Aber sie zahlen einen zu hohen Preis für die Umgehung der Kreditkartengebühren. Wenn man etwas “anders” machen will, sollte man das nicht halbherzig tun. Wenn CurrentC die Antwort auf Apple Pay sein soll, dann macht man damit nur Werbung für Apple Pay und bringt die Leute am Ende dazu, sich ein iPhone zu kaufen, um einfacher mit dem Smartphone bezahlen zu können.

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Eine Antwort

  1. Thomas

    Die Anzahl der Anbieter auf dem Markt steigt immer weiter an. Die Zeit wird zeigen, wer sich auf Dauer tatsächlich durchsetzen wird. In diesem Bereich wird sich ganz sicher in Zukunft noch einiges tun.

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